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Der Kuss

O wer den Kuss erfunden,
Der Liebe süßen Kuss,
Der hat es tief empfunden,
Mit schmerzlichem Verdruss,
Dass, um der Lieb' Entzücken Ihr Hoffen, ihren Harm,
Ihr Sehnen auszudrücken,
Die Sprache viel zu arm.

Wie schaute der verlegen
In Liebchens Angesicht,
Als für des Herzens Regen
Er fand die Worte nicht!
Da half, sein Leid ermessend,
Ein guter Genius:
Und Lipp' auf Lippe pressend
Erfand er so den Kuss.

Als sich das zugetragen,
Da gab's noch kein Patent;
Drum konnt's ein jeder wagen,
Und nimmer nimmt's ein End:
Wo sich zwei Herzen finden,
Gibt's Wort-Verlegenheit,
Und drum in Küssen künden
Sich beide Lust und Leid.

Autor: Theodor Winkler
(1775 - 1856)

  • gepostet von www.liebesgedicht.org |
  • Thema: Liebe

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