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Der Wanderer

Den alten Weg bin ich gegangen,
Die alten Bäume standen noch
Ein wenig dünner schon mit Laub behangen,
Doch ihre Kronen grünten noch.

Die alten Äcker hab ich mir besehen,
Noch immer blühten Kettenblumen an dem Weg
Noch kann ich keiner nicht vorübergehen,
Und wieder stand die Abendsonne schräg.

Die alte Sehnsucht fuhr im Sonnenschiffe
Ins Dämmer-dunkelnde voraus der Nacht
Doch leise fröstelte Frühabendfrische,
Und meinen Mantel hab ich fester zugemacht.

Und wieder stach das grelle Gift ins Herz mir
Der gelben Dämmerkerzen, ach ich fror
Im späten Frühling, wie der Schmerz mir
Großschattenwankend trat ins Abendtor.

Er stand, ein Riese, vor der Sonne wuchtend
Bis an die bleichsten Sterne, und so ging,
verging die Sonne unter ihm; auf dunklen Schluchten
Lag noch der dünne, safrangelbe Feuerring.

Es sind die alten Sterne, die mich nicht mehr grüßen,
Mein Weg gen Untergang ist schweigend, mein Gesicht
Ist matt, vornüber und mit schweren Füßen
Geh ich; nun steht an meinem Weg kein Licht.

Auf einem Stein hab ich gesessen,
Die Nacht war mondlos, und ich dachte schwer
Die Sonne tot, der Mond hat mich vergessen,
Und meine alten Sterne stehn nicht mehr.

Da griffs mich schüttelnd, dass ich aufstand
Ich will weit wandern, meine Sehnsucht flog
Mir weit voraus gen Sonnenaufgang.
Ist mir ein neuer Sommer und ein Saatfeld noch?

Autor: Otto zur Linde

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